Nostalgie - Bücher vor 1900

Bedingt durch den Umfang des Buches kann ich es schlecht einscannen, der Text wäre schlecht lesbar, deswegen schreibe ich den Text ab (in der alten Rechtschreibung des Buches). 

I.Gruppe
Glattfüßige, flachstirnige Langschnäbel

Wiener Tümmler
(Anmerkung: Heute heißen diese Tauben Wiener Hochflugtauben bzw. in Weiterentwicklung ist es die Ausstellungsrasse Wiener Tümmler, der Schwarzscheck ist heute das schwarze Wiener Weißschild)

Die "Stockblaue Wiener Taube" hat einen länglichen Kopf, ist flachstirnig, dünn-, lang- und schwarzschnäbelig, dunkeläugig (blaugrau), mit schwarzen, dünnen, schmalen Augenringeversehen, schlank im Körperbau, aufrecht und stramm in Haltung.

Die gewöhnliche Färbung ist die einer nicht zu dunkelblauen Brieftaube, es existieren jedoch Nuancierungen bis zu einem prachtvollen Hellblau, welche Farbe alten Herkommens in Wien "Kandellicht" genannt wird.

Grünschillernde Halsfedern entwerthen das Thier, es soll am ganzen Körper, mit Ausnahme der in natürlicher Folge der Gesetze der Färbung je länger, desto dunkler werdenden Schwungfedern, sowie der dunkelgesäumten Schwanzfedern, rein blau mit dünnen, intensiv schwarzen Flügelbinden versehen sein.

Die nächste Verwandte der stockblauen Hochflugtaube ist die sogenannte "Genagelte" (gehämmerte) Taube, und sie unterscheidet sich von ihr nur dadurch,daß ihre Flügeldecken mit schwarzen Flecken besäet sind.
Diese sollen klein und rund sein, nicht zusammenfließen und die Binden scharf hervortreten lassen. Es existieren auch genagelte Tauben ohne Binden,sie haben sogar besseres, d.h. lichteres Blau, aber dafür zu große, meist unregelmäßige Flecken, so daß bindige ind den meisten Fällen vorgezogen werden.

Um den "Wiener Schimmel", das Produkt der seit vielen Jahren schwunghaft betriebenen Kreuzungen von stockblauen und dunkelgestorchten Tauben, wie er leibt und lebt, vor Augen zu führen, brauche ich nicht weit auszuholen, man denke sich einfach eine graublaue, meistens mit grünschillernden Halsfedern behaftete, schwarzbindige Taube und ist fertig.
Wäre er im Flug nicht so verläßlich, seiner Schönheit wegen hätte er sicherlich wenig Gönner, diese lobenswerthe Eigenschaft jedoch, sein gutmüthiger Charakter, sowie seine musterhafte Führung als Familienvater machen ihn derart beliebt, daß er auf den meisten Böden gehalten wird und sehr oft die Ehre genießt, dunkelgestorchten Tauben angepaart zu werden. Diese Kreuzung giebt in den meisten Fällen ganz annehmbare Nachzucht (Blender), diese von Unwissenden weiter verwendet (ein Fachmann wird dies nicht thun) wird regelmäßig rückfällig und erzeugt mattgefärbte, dunkelgestorchte Tauben.

Noch beliebter wie der Schimmel ist die "Wilde Taube", eine mit dunkelblauer Platte, gestaartem Nacken, dunkelblauen, mit feinen, schwarzen Binden versehenen Flügeldecken gewünschtes Thier, welches sich, wenn, wie vorgeschrieben, vom Kinn abwärts, also Hals, Brust, Bauch bis zum After rein weiß, ganz angenehm präsentirt. Die der Wildtaube ähnliche Zeichnung, sowie ein ihrer Gattung speziell eigenes, ausnahmsweise dunkles Auge, ihr leicht erregbares, dann ungestümes Temperament gaben Veranlassung, sie "Wilde Taube" zu nennen.

Genau so wie die Wilde Taube in Dunkelblau, ist die "Schwarzgedachelte Taube" in Schwarz gezeichnet, und sie besitzt mit Ausnahme eines etwas lichteren Auges dieselben Eigenschaften.

Der "Kiebitz", eine in früheren Jahren häufig zu sehende Taube, verschwindet immer mehr und mehr vom Schauplatze; schade, es ist in ganz schmucker, mit Ausnahme des Bauches am ganzen Körper schwarzer Kämpe, welchen man für eine eintönig schwarze Taube hält und erst bei genauem Ansehen die Täuschung wahrnimmt. Nur der Unterleib, mit dem Abschnitt der Elsterzeichnung quer unter der Brust und am After, ist weiß. Die Schenkel sind gleichfalls weiß, Rücken und Bürzel gleich wie bei der Elster schwarz. Das Auge ist perlfarbig, der Schnabel jedoch dunkel, hornfarbig.

Lackschwarze Farbe wird stets gewünscht, Kibitze mit solcher sollen jedoch erst geboren werden; die mir bisher zu Gesichte gekommenen waren ausnahmslos mattschwarz. Kibitze, deren Brustscheide, resp. Bauchbeginn nicht scharf markirt, stehen in geringem Ansehen.

Die bis jetzt beschriebenen langschnäbeligen Tauben werden blos als Flieger gehalten und stehen als solche nicht hoch im Werthe. Zehn Gulden für ein Paar geboten oder gegeben, verursacht schon ein Stadtgespräch. Anders verhält es sich mit den nachstehend beschriebenen Elitetauben dieser Abtheilung, den schwarzgescheckten und den dunkelgestorchten Hochfliegern, welche, wenn edel im Körperbau, Zeichnung und Färbung, bedeutend besser bezahlt werden.

Die Ahnen des "Schwarzscheck-Tümmlers" anzugeben ist nicht leicht, die Einen nennen ihn einen Abkömmling der schwarzgedachelten Taube, die Anderen wollen von einer Mischehe von Kibitzen und schwarzgedachelten Tauben wissen; bekannt sind ferner die unzähligen Kreuzungen von soeben genannten Tauben mit Roth- oder Gelbgestorchten, sowie Roth- oder Gelbschecken, so daß sein Stambaum reich an Abzweigungen ist.

Der Schwarzscheck-Tümmler der Fünfziger Jahre, welcher blos Platte, Brust und Extremitäten schwarz zu haben brauchte, ist infolge vielfacher Künsteleien und Experimente seiner Züchter verschwunden; an seine Stelle ist eine Taube, welche mit Ausnahme weißgewünschter Flügeldecken am ganzen Körper schwarz zu sein hat, als Norm gesetzt worden.

Darüber zu urtheilen, ob der nach früheren Bestimmungen gezüchtete Schwarzscheck dem Auge wohlgefäliger als der der Neuzeit, hieße in ein Wespennest stechen und hätte bestimmt diverse Widersprüche zur Folge.

Zu bemerken habe ich, daß nur lang-, dünn- und schwarzschnäbelige Schwarzschecken existiren, unzählige Kreuzungen solcher mit kurz-, dick- und weißschnäbeligen Roth- oder Gelbschecken, einfarbig schwarzen, gelben oder rothen Tauben förderten keine weißschnäbeligen Schwarzschecken zu Tage, sie ergaben stets lang- und schwarzschnäbelige Schwarzschecken oder allerdings lang-, aber weißschnäbelige Roth- oder Gelbschecken, sowie eben solche einfarbig rothe, gelbe oder schwarze Tauben.

So sehr auf regelrechte Zeichnung gesehen wird, so giebt doch der Befund der Grundfarbe den Ausschlag. Tiefschwarze Schecken, sollten sie auch mangelhaft in Zeichnung sein, sind stets wertvoller wie noch so richtig gezeichnete mattschwarze.

Schwarzschecken, deren Augen licht- oder gar blutgestreift sind, sind fehlerhaft, diese müssen blaugrau und mit schwarzen Lidern berändert sein.

Edle Schwarzschecken wurden schon in früheren Zeiten gut bezahlt, 30 bis 50 fl. per Paar, heute fänden sich sogar Liebhaber, welche diesen Betrag noch bedeutend überschreiten würden, leider fehlt es aber an Primathieren.

Bevor ich mir gestatte, schreibt mir Her Zaoralek, Wien, die "Dunkelgestorchte Taube" zu beschreiben, habe ich zu bemerken, daß sich ihre Züchter noch in keiner Weise zur Aufstelung eines Standards geienigt haben; noch bei allen mir bekannten entscheidenden Gelegenheiten, öffentlichen oder privaten Ausstelungen kam es wegen der Zuerkennung der Preis zu argen Rencontres, so das diese Spezies den ihr scherzweise gegebenen Namen die "Streittaube" in Wirklichkeit verdienen würde.

Existirt sie doch in puncto Zeichnung und Färbung in unendlich vielen Nuancen, mit licht- und dunkelblauer Platte, reinweißen, wenig und viel gestaartem Hals, licht- und dunkelblauen, eintönigen und mit weißen Federn geschuppten Flügeldecken, kein Wunder daher, daß diverse Anschauungen kundgegeben werden.

Scheinbar existiren drei, strenge genommen aber blos zwei größere Parteien, erstens Züchter, welche an den alten Traditionen festhalten, lichtblaue Plattenfarbe als Norm feststellen, und zweitens Züchter, welche nur dunkelblaue, fast schwarze, vielleicht schillernde schön finden.

Die scheinbar dritte Partei will den goldenen Mittelweg gehen und sich mit nicht zu lichter, aber auch nicht zu dunkler Färbung begnügen, züchtet jedoch in begreiflicher Weise sich selbst und allen Anderen zum Gespötte.

Wenn sich der Laie ein entsprechendes Bild von der dunkelgestorchten Taube machen will, ist es unbedingt von Vortheil, sich Kopfbau und Schnabelstellung eines edlen Carriers, sowie dessen dünne lange Halsbildung zu vergegenwärtigen.

Die dunkelgestorchte Taube sol nämlich einen langgezogenen Kopf besitzen, dessen Scheitel möglichst kantig, dem eines Carriers gleichkömt; von der markirten Stirne hat ein düner Schnabel parallel mit der Platte abzustehen, je länger dieser, desto besser; ist dieser nach abwärts gerichtet, kurz oder dick, ist die Nase statt glatt und dunkel, etwas wulstig oder mehlig, so ist das betreffende Thier fehlerhaft. Das Auge soll recht an der Oberfläche liegen, groß sein und blaugraue Iris zeigen. Tauben mit lichter oder blutunterlaufener Iris werden als unedler Abkunft betrachtet.

Die Augenlider sind ebenfalls dunkel, schwarz nahekommend, glatt und glänzend, dunkelgestorchte Tauben mit rothen Augenlidern befinden sich nur in Händen ganz verständißloser Züchter, ein Fachmann würde sich nie dazu herbeilassen, ein mit solchen behaftetes Thier auch nur ausnahmsweise zur Zucht zu verwenden, da sich dieses die Taube gänzlich degradirende Gebrechen leicht vererbt.

Ein vollendet schöner Kopf und Schnabelbau macht eine dunkelgestorchte Taube schon werthvoll, besitzt sie jedoch einen kurzen plumpen Hals, so ist es damit vorüber, da derselbe auffallend dünn und lang sein soll.

Noch vor 10 bis 15 Jahren mußte dieser vom Kinn abwärts bis zur Brustscheide ein sehr entwickelte Rinne haben, die Taube wurde dann als "von guter Art" geachtet; die Züchter der Jetztzeit haben mit diesem Gbote leider gebrochen, wenden zwar nichts ein, wenn eine Taube damit versehen, taxiren jedoch auch ohne solche nicht minder, betrachten das Vorhandensein der Rinne also als Überfluß.

Die Brust soll möglichst schmal und nicht vorgewö, an ihr müssen bis an das Schwanzende gegabelt reichende schmale Flügel knapp und derart anliegen, daß die Achseln frei bleiben, d.h. von Brustfedern nicht gedeckt werden.

Ist eine dunkelgestorchte Taube noch, wie gewünscht, hochbeinig, aufrecht in Haltung so kann man den Eindruck, welchen ihre Besichtigung hervorbringt, mit dem von Englischn Rennpferden treffend vergleichen, da die ganze Erscheinung nicht nur edlen Anstand, sondern auch Gewandtheit und Schnelle verräth.

Ueber den Habitus sind fast sämmtliche Züchter einig, nich so verhält es sich jedoch, wie bereits erwähnt, mit Zeichnung und Färbung.

In früheren Jahren, wo dunkelgestorchte Tauben blos zum Hochfluge verwendet wurden, sah man vernünftiger Weise in erster Linie auf körperliche Entwicklung, zog hohe, schlanke, kräftige Tauben heran und begnügte sich, wenn Kopf- und Flügelfarbe leidlich lichtblau waren. Grünschilernder Hals, grauer Bauch, ebensolche Strümpfe galten, weil genug Tauben mit solchen vorhanden, als keine Schönheitsfehler; anders verhält es sich jedoch heute, da sich im Laufe der Jahre Verehrer dieser Spezies fanden, welche ihrer Zucht größere Beachtung schenkten und sie durch Hinwirkung auf Erzielung intensiverer Färbung immer mehr zu Ziertauben zu machen bestrebt sind.

Daß dieses Ziel nicht leicht zu erreichen ist, erfuhr ich selbst und bin mit den Resultaten achtjähriger Mühen noch lange nicht zufrieden, einige Züchter waren doch glücklicher als ich und besitzen bereits dem angestrebten Ideale nahekommende, nämlich zartgebaute Tauben mit fast schwarzer, violett schillernder Plattenfarbe, richtig, d.h. nicht zu viel und nicht zu wenig schwarz gestaartem Hals, edelblauen, dünn und pechschwarz gestrichten Flügeldecken, sowie rein weißem Bauche.

Ein Umstand schädigt die Verbreitung der dunkelgestorchten Taube als Ziertaube ungemein und macht ihr viele Züchter abtrünnig, dies ist der, daß ihre Blüthezeit nur kurze Zeit dauert, nämlich vom ersten bis zum zweiten Federwechsel, dieser verändert sie schon sehr zu ihrem Nachtheile, da ihr Gefieder die selbst Laien aufalende lebendige Färbung der ersten Mauser theilweise einbüßt. Mit dem vierten Jahre verliert sie sogar ihre feinen Körperformen und wird plump; trotzem werden im Prachtgefieder stehende Tauben, sowie ältere, deren edle Abkunft gesichert ist, mit fabelhaften Preisen bezahlt.

Interessant ist die dunkelgestorchte Taube im Jugendkleide, und mir ist keine Taubengattung bekannt, deren Nachwuchs sich bis zur eintretenden Pubertät derart im Gefieder ändert.

Junge dunkelgestorchte Tauben edler Race haben dunkelgesäumte Extremitäten, am Scheitel blos wenige rostbraune Federchen. Die Stelle der nach der Mauser erscheinenden Binden ist ebenfalls nur mit einigen rostbraunen Tüpfchen markirt, sonst sind die Täubchen rein weiß.

Welche Ueberraschung daher für einen diese Race nicht kennenden Taubenfreund, dem z.B. ein junges Thier zuflog, welches, anfangs so unscheinbar, sich nach vollendeter Mauser in einem total verändertem Kleide präsentirt.

Dem "Weißgestorchten Wiener Hochflieger" würde es gewiß wohl bekommen, wenn er nur etwas von der, der dunkelgestorchten Taube im Uebermaße bekundeten Smpthie profitiren könnte, selbst wenn laut Vorschrift vollkommend befriedigend, steht er nicht so hoch im Werthe, wie eine nur halbgestorchte Taube, sein Anschaffungspreis variirt von 30 kr. bis 2 fl. per Stück.

Im Kopf- und Schnabelbau, Auge und Augenlidern, sowie Haltung den bisher angeführten gleichgewünscht, hat er wenig mehr zu bieten, soll blos Schwung- und Schweiffedern vollzählig grauschwarz gesäumt haben, sonst reinweiß, ja nicht gesprenkelt sein.

Es existiren auch weißschwänzige Weißgestorchte, sowie von beiden Varietäten behoste und belatschte Exemplre. Bei diesem Anlasse bemerke ich, daß außer dieser Taube keinem Wiener Tümmler Federfüße gestattet werden, desgleichen sind Kappen (Hauben), seine es runde oder spitze, strengstens verpönt; eine dmit behaftete Tube würde bei noch so guten sonstigen Eigenschaften keine Anziehung ausüben und ist dem Suppentopfe schon in zartester Jugend verfallen.

"Roth- und gelbgestorchte Tauben", vor Jahren zahlreich vertreten, wenn tief in Färbung, sowie gut gezeichnet, hoch bewerthet, sind auch selten geworden.

Sie sind ebenfalls flachstirnige Lang- aber Weißschnäbel, besitzen demgemäßlichte Nestaugen (Glasaugen), gelblich rothe, äußerst flache, zarte Augenlider, sollen eine nicht durchbrochene, farbige, bis unter den Scheitel reichende, mit dem halben Auge abschließende Platte, ganz farbige Schwung- und Schwanzfedern haben, sonst am Körper weiß sein.

Abkömmlinge von diesen sind die "Gelb- oder rothgedachelten Tauben", sie unterscheiden sich von obigen nur dadurch, daß sie ganzfarbige Flügel besitzen. Das Vorhandensein von weißen Schweiffutter, weißen Schwingen oder farbigen Sprenkeln degradirt beide Gattungen bedeutend.

V.Gruppe
Glatt- oder rauhfüßige, hochstirnige Kurz- oder Dickschnäbel

Eine andere zu dieser Abtheilung zählende und sich scharf abzeichnende Tümmlerrace ist in Deutsch-Oesterreich, namentlich in Wien, heimisch und unter dem Namen

2. Wiener Tümmler
(Anmerkung: Heute heißen diese Tauben Wiener Kurze, die Weiterentwicklung der "Roth- und Gelbschecktaube" ist die Rasse Wiener Weißschild, und unsere farbigen Wiener Hochflieger stammen auch von ihnen ab)
bekannt. Sie ist in Kopf- und Körperbau ziemlich so, wie der echte Altstamm-Tümmler sein soll, hat jedoch keine befiederten Füße und ist nicht zitterhalsig. Die Taube ist demnach kurz, gedrungen, mit breiter Brust, schlankem Hals und markirtem, eckigem Kopf, kurzem und dabei dickem Schnabel, der mit der Stirn einen Winkel bildet.

Der Körper ist von mittlerer Größe, das Auge meist hell (perlfarbig), die Augenlider sind mitunter roth, die Färbung voll un intensiv. In der Zeichnung ist dieser Schlag wieder reich zu nennen. Es kommen sowohl einfarbige Tauben, hauptsächlich in den Grundfarben Schwarz, Roth und Gelb, als auch Weißgespießte - Weißschwingen - in denselben Farben vor. Letztere zeigen jedoch weniger weiße Federn an den Schwingen als andere Racen, man begnügt sich in der Regel mit sechs bis sieben weißen Federn. Ferner indet man die Taube in Scheckenzeichnung, die sich mitunter zu vollkommen weißem Schild steigert. Diese Zeichnung ist außerordentlich schwierig zu erhalten und kommt rein sehr selten vor. Sie hält überhaupt nur kurze Zeit an, indem in der Jugend das weiße Schild noch mit farbigen Federn untermischt ist, im Alter aber leicht weiße Federn in den gefärbt sein sollenden Theilen, wie Brust und Schwingen, auftreten.

Außer den Schecken, bei welchen eine der Grundfarben mit Weiß durchschossen ist, giebt es auch Schecken von mehreren Farben, wie die Dänischen Stipper oder Stänkeded und den Almonds ähnlich. Die Grundfarbe ist ein schmutziges Grauweiß, welches theils mit kleinen gelben, weißen und schwarzen Federn durchwirkt ist, die größeren Federn sind schwarz gespritzt.

Die einfarbige Wiener Flugtaube stammt so ungerne dieses von den Züchtern zugegeben wird, bestimmt von der Indianertaube. Für die Richtigkeit dieser Behauptung sprechen mehrere, beiden Tauben proportionell in gleichem Grade eigene charakteristische Racemerkmale. Vor alem verräth die bei edlen Indianertauben vohandene markirte, würfelförmige Kopfform, welche gute Wiener einfarbige Tauben ja auch besitzen müssen, genug; wem dieser Nachweis nicht genügt, der stelle Vergleiche mit den Augenringen an, sie sind bei Wiener Tauben allerdings nicht so wulstig wie bei der Indianertaube, aber im Verhältnisse gleicher Peripherie.

Das Hauptaugenmerk der Züchter von einfarbigen Tauben richtete sich von jeher auf das Erzielen möglichst zarter, kurzer , zierlicher Exemplare mit kleinem, auffalend kantigem, breit und senkrechtstirnigen Kopfe, kurzem, dickem, weißem, von der Stirne grade abstehendem Schnabel und flachen, glatten, rosafarbigen Augenrändern; diesem Streben ist auch das Vorhandensein der jetzigen, sich von Indianertauben allerdings gewaltig unterscheidenden einfabigen Tauben zu verdanken.

In früheren Jahren wurden einfarbige Tauben in bedeitender Zahl gehalten und mit Ganseltauben gejagt; kein Wunder daher, daß es damals an edlen Thieren nicht gebrach, heute sind in jeder Beziehung befriedigende Tauben in rother, gelber oder schwarzer Farbe selten, in weißer gar nicht vorhanden.

Bis auf wenige Ausnahmen laboriren alle einfarbige Tauben an dem Kardinalfehler, dem Besitze schiefer Stirnbildung, recte eines Nasenansatzes. Versuche, ihre Kopfbildung durch Kreuzung mit Almonds zu veredeln, förderten keine Resultate zu Tage; ja sonderbarer Weise kamen meistens schmalköpfige, schiefstirnige Junge zur Welt, deren bedeutend länger als der ihrer Eltern war. Schneller würde dieses Ziel allerdings durch Anpaarung von Indianern erreicht, doch wäre damit wenig gewonnen, da der Nachzucht die niedliche Figur fehlen und schon im zweiten Jahre wulstig werdende Augenringe anhaften würden, somit für einen Fehler zwei in Kauf genommen werden müßten. Ist die Kopfbildung einer einfarbigen Taube gut, ihr Schnabel fleischfarbig, kurz und dick, nicht etwa spitz, sondern rund, ihre Augenänder flach, so ist ihr Besitzer schon zufrieden, da er sich aus dem Vorhandensein etwaiger Schönheitsfehler zweiten Grades wenig macht.

Als solche gelten wulstige Nasenhaut, matte Farbe, dicker, plumper Hals, schlapp nachgezogene Flügel, bei weißschlägigen Tauben das Vorhandensein von mehr als sechs weißen Schwungfedern oder weißen Afters. Einfarbige Tauben mit gebrannten (schwarzem) oder krummen Schnabel sind, wenn edler Abkunft, für die Zucht werthvoll, in den Augen von Preisrichtern finden sie, wenn sonst noch so vollendet schön, mit Recht keine Gnade, desgleichen Tauben mit dunkler Iris, da diese hell sein muß.

Die "Roth- oder Gelbschecktaube" soll weiße Flügeldecken, sogenannte Spiegel, besitzen, sonst in allen Punkten der einfarbigen Taube gleichen.

Manche Züchter finden Schecken, deren Flügeldecken blos weißgeschuppt sind, schöner, nennen solche Rosenschecken, andere wünschen sich blos weiße Achseln, de gustbus non est disputandum, aber bei Prämiirungen werden reinweiß spiegelige vorgezogen.

Das "Morettel", auch der "Mohreck" genannt, eine vor Jahren oft anzutreffende Taube, existirt in ihrer Urrace nicht mehr, sondern nur noch als Kreuzungsprodukt einfarbig schwarzer und dunkelgestorchter oder Schimmeltauben.

Das Morettel war eine kurz-, dick- und weißschnäbelige, tiefschwarze Taube, deren Backen weiße Abzeichen hatten, je regelmäßiger diese, desto besser, heute ist es eine halblang- und schwarzschnäbelige Taube, derne Kopf und Hals eine Unzahl weißer Federchen besitzt und deren Gefieder grauschwarz ist.

Sowie das Morettel in der edlen Art bereits verschwand, wird der edle "Harlequin", eien unregelmäßig braunschwarz, ähnlich wie gri pique´Indianer, geschuppte Taube mit zumeist wirklich prachtvollem Kopf- und Schnabelbau, in kürzester Zeit vom Schauplatze verschwinden, da er nur noch in wenigen Exemplaren existirt.

Auf Gleichmäßigkeit der Schuppen legt kein Züchter besonderen Werth, die Kopfform ist ausschlaggebend; wegen dieser wurde er stets mit einfarbigen Tauben angepaart und ging in diesen auf.

Der Harlequin wäre die richtigste Taube zur Erzeugung edelköpfiger weißer Tauben gewesen, wurde jedoch sonderbarer Weise nie dazu verwandt; heute ärgern sich so manche Züchter, welche ihn rothen, gelben oder schwarzen Tauben beigaben, über diese Unterlassung.

3. Wiener Gansel

Die Zeichnung derselben ist bereits als "Ungarischer oder Polnischer Gamsel-Tümmler" beschrieben. Sie unterscheidet sich von beiden Tauben nur wenig. Bei dem Wiener Gansel, der immer glattköpfig ist, geht der Schnitt des weißen Kopfes sowohl hinten als vorn tiefer herunter und ist vorn häufig unregelmäßiger als bei den Ungarischen. Die Farbe der Augen nebst der Einfassung ist bei beiden gleich. (In jüngster Zeit sind Ungarische Gamseln auch mit hellen [Perl-] Augen aufgetaucht.) Dagegen besteht ein Unterschied zwischen beiden bezüglich ihrer Flugart. Während die Polnischen gute Purzler (Umschläger) sind, werden die Wiener, wie die ganze Race, der sie angehören, als Flugtauben - hohe Truppflieger - gehalten und eingeübt. Nach dem Anspruch einiger Liebhaber sollen letztere indessen nie Großes darin geleistet haben, während andere sie wiederum als vortreffliche Flieger rühmen. Es scheint indessen nach der von uns gemachten Beobachtung die erste Behauptung die richtigere zu sein, da die Taube gegenwärtig in Wien von einer anderen, besser fliegenden Art ziemlich verdrängt ist und nur noch wenig angetroffen wird. Die ursprünglichen, kleinen, eleganten, würfelköpfigen, kurz-, dick- und weißschnäbeligen, korekt gezeichneten Ganseln mit richtigen flachen Augenrändern, in alen Grund- und Zwischenfarben (blau, gelb, schwarz, roth, silber- und leberfarbig), von den alten Liebhabern "vom Kopf und Schnabel" genannt, sind heute fast ausgestorben. Vor 30 bis 40 Jahren waren sie so häufig, daß man ganze Flüge davon, wie heute die "Gestorchten" jagte, und die dann in Schaaren von 40 bis 50 Stück den Wolken zusteuerten, heute sind sie aber schon so rar geworden, daß für ein gutes Paar Preise gefordert werden, wie für die besten Racetauben. Selbst diejenigen, die man noch auf Ausstellungen findet, sind meist so matte und ungesunde Thiere, daß man nicht ohne Ursache das gänzliche Aussterben dieser Gattung befürchten müßte, wenn sich nicht in neuester Zeit wieder einige Liebhaber mit ihrer Züchtung beschäftigen würden.

Die Ganseltaube ist nicht nur die schönstgezeichnete Wiener Tümmlertaube, sondern anerkannt eine der schönsten von allen existirenden Tümmlern.

Eine als schön geltende Ganseltaube hat sehr viele Anforderungen - allen jenen, welche wegen Körper, Kopf, Schnabelbau etc. an einfarbige Taubn gestellt werden - zu entsprechen und muß auch noch in Zeichnung vollkommen genügen.

Diese soll derartig sein, daß die Taube ein zwei Finger unter dem Scheitel beginnendes, Vorderhals und halbe Brust freilassendes farbiges Band, farbiges, regelrecht gezeichnetes Herz am Rücken und farbige Schweiffedern besitzt.

Ein wesentliches Erforderniß ist, daß die Brust schön rund, nicht etwa durchbrochen ist, und daß das Herz nicht zu weit vom und nicht zu nahe am Stoße ansetzt. Ganseln,welche blos den Kopf (wie Weißkopftümmler) frei haben, sind fehlerhaft, desgleichen solche, welche ein zu kleines Herz oder weißes Schweiffutter besitzen.

Dieselbe traurige Rolle, welche weiße Tauben unter den einfarbigen Tauben spielen, spielen Blauganseln unter den Ganseltauben; sie sind nämlich in guten Exemplaren nicht vorhanden, während es, wenn auch nicht viele, so doch einige gute Thiere in Schwarz, Gelb und Roth giebt.

Bei Blauganseln spielt die Färbung eine große Rolle, es giebt: Silber-, Milch-, Blau- und Perlgansel. Die beiden ersten Färbungen sind die beliebtesten.

Blauganseln existiren in schön lichtblauer bis dunkelblauer Färbung; Tauben mit letzterer Färbung sind stets Abkömmlinge, resp. Bastarde von Schwarzganseln, und meistens mit grünen Halsfedern versehen.

Die Perlfarbe bei Ganseln besteht aus einem zarten Gelblichroth, sie wird jedoch selten schön gefunden.

Bestimmte vorschriften über das Maß der einzelnen Körpertheile sind schwer zu geben, da sich das Augenmerk des Kenners auf die proportionellen Verhältnisse zu richten hat; in der Jugend krankhaft gewesene Tauben impniren durch ihre Feinheit im Körperbau, meist reizenden Kopf- und Schnabelpartieen nur Laien, ein Kenner wird sich dadurch nie bestechen lassen und genau das Minimum der gesunden Körpergröße kennen.

Die Maßzahlen guter Ganseln sind folgende:

                                                                                                        Täubin    Täuber
Schnabellänge bis zu den Nasenwarzen................................................  5 mm      6 mm
Schnabellänge bis zu dem Mundwinkel................................................... 10  "       14   "
Kopflänge............................................................................................................ 30  "      34   "
Kopfbreite.......................................................................................................... 22  "      24   "
Kopfhöhe (vom Mundwinkel abwärts gemessen)................................ 13   "      15   "
Breite der Augenringe...................................................................................  5   "        6   "
Halslänge............................................................................................................. 60  "      63   "
Flügellänge.........................................................................................................195  "    205   "
Rumpflänge......................................................................................................... 80  "      90   "
Schwanzlänge....................................................................................................120  "    135   "
Brustumfang (innerhalb der Flügel gemessen).................................... 65  "     75   "
Beinlänge (bis zum Kniegelenk)................................................................... 20  "     25   "
Schenkellänge....................................................................................................  30 "     34   "





 

 

 

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